• 2012 war die Welt noch im Ordnung. Seit März 2015 gehen Olivier Bernheim und Alexander Laimer nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit getrennte Wege.

    2012 war die Welt noch im Ordnung. Seit März 2015 gehen Olivier Bernheim und Alexander Laimer nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit getrennte Wege.

  • Der Anfang vom Ende: Mit der Partnerschaft mit gooix wollte Laimer (hier mit Michael Stadlmann) 2009 auch als Uhrenproduzent reüssieren. Dieses Engagement misslang.

    Der Anfang vom Ende: Mit der Partnerschaft mit gooix wollte Laimer (hier mit Michael Stadlmann) 2009 auch als Uhrenproduzent reüssieren. Dieses Engagement misslang.

  • Gerald Senitschnig (rechts; mit Bruno Jufer, Vice President Eterna) treibt seit Beginn des Jahres den Relaunch der Schweizer Traditionsmarke Eterna voll Elan voran.

    Gerald Senitschnig (rechts; mit Bruno Jufer, Vice President Eterna) treibt seit Beginn des Jahres den Relaunch der Schweizer Traditionsmarke Eterna voll Elan voran.

  • Vergangene Zeiten: Das RW Austria-Team zum Start im Herbst 2010: Unten v.l.n.r. Walter Haider, Sabine Wolf, Stephanie Berger, Robert Jamgotschjan. Oben v.l.n.r. Ronald Rittenbacher, Alexander Laimer, Gerald Senitschnig, Andrea Prandl, Karl Kozel

    Vergangene Zeiten: Das RW Austria-Team zum Start im Herbst 2010: Unten v.l.n.r. Walter Haider, Sabine Wolf, Stephanie Berger, Robert Jamgotschjan. Oben v.l.n.r. Ronald Rittenbacher, Alexander Laimer, Gerald Senitschnig, Andrea Prandl, Karl Kozel


27. 04. 2015

Die Trennung des Jahres - Raymond Weil ohne Laimer

Mit der Trennung von RW Austria und Alexander Laimer geht eine Ära der österreichischen Uhrengeschichte endgültig zu Ende. Wie konnte es so weit kommen und wie geht es weiter?

Bei Raymond Weil Austria haben sich bereits in den vergangenen Monaten massive Veränderungen abgezeichnet. Bereits im Sommer 2014 wurden im Zuge einer „Neustrukturierung“ die Verträge mit langjährigen Mitarbeitern wie Gerald Senitschnig oder Robert Jamgotschjan gekündigt. Jamgotschjan, der für Michel Herbelin mehr als zwei Jahrzehnte im Außendienst tätig war, macht seinen Job heute nahtlos weiter, unter seinem neuen Arbeitgeber Egbert Klapper, der Michel Herbelin auch in Deutschland vertreibt. Mehr als 30 Jahre arbeitete Michel Herbelin mit der Familie Laimer zusammen. Erst mit dem Vater Herbert Laimer, dann als Handelspartner der RW Austria. Das ist nun ebenfalls Geschichte.

Gerald Senitschnig wiederum, der fast vier Jahrzehnte für die Familie Laimer tätig und bei Österreichs Fachhändlern untrennbar mit dem Namen Raymond Weil verbunden war, ist heute überaus erfolgreich mit gleich zwei bekannten Uhrenmarken unterwegs. Neben einer Expansion mit Gucci treibt er auch den Relaunch der Schweizer Traditionsmarke Eterna in Österreich seit Beginn dieses Jahres voll Elan voran. Im April kam dann noch die Trennung der RWA von Jet Set, deren Vertrieb ebenfalls von Egbert Klapper – mit dem gewohnten Außendienstmann Ronald Rittenbacher – übernommen wurde. Doch der Reihe nach:

Der Anfang vom Ende

Das Internet vergisst nicht: Gibt man im Jahr 2015 laimer.at ein, so findet man eine Homepage, auf der die Marken Raymond Weil, Michel Herbelin, Breil, Osco oder Jet Set aufscheinen. Doch die Markengeschichte des 1970 gegründeten Hauses Laimer geht viel weiter zurück. Kurz vor dem Schlussakt startete Laimer noch gemeinsam mit Michael Stadlmann mit gooix-Uhren. Gemeinsam kümmerte man sich um Design und Produktion; Alexander Laimer um den Vertrieb. Die Investitionen waren engagiert, der Erfolg bescheiden. 2010 war dann Schluss. Im Mai 2010 steuerte die Firma Laimer & Co. im 40. Jahr ihres Bestehens auf eine Insolvenz zu, die schlussendlich in einem Ausgleich endete. Die Branche war damals sehr betroffen, dass hier ein alteingesessenes Familienunternehmen, mit dem man oft bereits in zweiter Generation zusammenarbeitete, seine Geschäfts-tätigkeit einstellen musste.

Aber nur kurz gab es für den Österreich-Vertrieb von Raymond Weil Genève ein Intermezzo aus der Schweiz – bereits Anfang Juli 2010 startete die neu gegründete Firma RW Austria am Campus 21 in Brunn am Gebirge. Insgesamt acht ehemalige Laimer-Mitarbeiter waren zu Beginn dort tätig. Der damalige RW-CEO Olivier Bernheim und sein Country Manager von RW Austria Alexander Laimer wollten den Neustart auch für eine neue, klarere Positionierung der Marke Raymond Weil in Österreich nutzen. „Das Profil wird geschärft und das Vertriebsnetz den heutigen Anforderungen angepasst“, versprachen sie damals. Neben Raymond Weil war RW Austria auch für Michel Herbelin, Axcent of Scandinavia und Jet Set verantwortlich, die bis dato von der Firma Laimer & Co. betreut wurden. Viele Juweliere, die der Firma Laimer seit Jahrzehnten die Treue hielten, gingen den neuen Weg auch aus Loyalität mit der alten Garde Laimer und Senitschnig weiter mit.

Der Schlussakt

Im April 2014 zog sich Bernheim aus dem operativen Geschäft zurück, die Geschäftsführung übernahm sein Sohn Elie. Und Vater Olivier hatte nun Zeit, sich verstärkt um die Tochterfirma in Österreich zu kümmern. Und hier blieb kein Stein auf dem anderen. Im Sommer folgte die erste Kündigungswelle bei langjährigen Mitarbeitern wie Gerald Senitschnig. Für den Außendienst (inklusive Betreuung der Marketingaktivitäten) wurde mit Julia Heigl eine junge engagierte Mitarbeiterin, jedoch ohne Erfahrung, aufgenommen. Im Februar dieses Jahres fand mit der Kündigung Alexander Laimers dann das Finale dieses Königsdramas statt.
Spannend wird nun sein, wie langjährige Raymond Weil-Laimer-Partner auf diese Situation reagieren werden. Jetzt wird sich herausstellen, ob Raymond Weil eine für den Fachhandel unentbehrliche Marke mit klarer Positionierung, wichtigem Sortiment und starken partnerschaftlichen Qualitäten ist, die man unbedingt führen sollte, oder ob man sie nur aus Loyalität zu den Protagonisten im Sortiment hatte und diesen personellen Wechsel nun für eine Neuorientierung nutzt.